palmwine
Introduction
Die Palmwine-Musik entstand an der Westküste Afrikas, insbesondere in den Hafenstädten der heutigen Länder Ghana, Sierra Leone, Liberia und Nigeria. Um 1900 herum galt die Musik als fest etablierter Bestandteil der Gesellschaft.
Es kommt nicht von ungefähr, dass vor allem an der Küstenregion von Africa der Palmwine Stil entwickelt wurde. Matrosen auf See brachten die Einflüsse der karibischen und spanischen Musik ins Land, welche sich mit den einheimischen afrikanischen Musikstilen vermischen konnte.
Der Musikstil wurde schnell Palmwine benannt, weil er in den Hafenbars gespielt wurde, wo die Seeleite sich gerne einen Drink genehmigten.
Als Wegbegleiter und Vater des zeitgrnössischen Palmwine Stiles gehört Kwame Asara (auch bekannt als Jacob Sam). Mit einen seine Stücke werden wir uns als erstes beschäftigen.
Grundlegende Techniken
Palmwine Guitar wird fast ausschließlich auf akustischen Western oder Konzertgitarren gespielt – oft mit Kapodaster, um die höheren Klangregister zu bedienen und trotzdem ein intensives Fingerstyle Spiel zu gewährleisten.
Palmwine Spieler spielen fast ausschließlich mit Daumen und einem Finger (Zeigefinger meistens – ich selber spiele in meinen Beispielen aber mit dem Mittelfinger der rechten Hand).
Ein typisches Stilmittel ist der Einsatz von Terz und Sext intervallen, welche simultan gespielt werden, aber auch mit versetzten Rythmiken zwischen Daumen und Fingerstimme kombininert werden.
Die Musik ist geschwungen und ternär und nicht komplett gerade gespielt – ein leichter 16tel Swing ist die Grundlage.
Sich mit Terz und Sext Intervallen der offenen Gitarrenlage zu beschäftigen ist denke ich ein guter Grundbaustein, um sich afrikanischer Musik auch generell zu nähern.
Aponsah
YAA Aponsah von Kwame Asara ist für westliche Ohren sehr eingägig und verständlich. Eine gute Ausgangslage einen Fuß in die Palmwine Musik zu erhalten. Wichtiger Bestandteil der afrikanischen und auch karibischen Musik ist der Einsatz der durchlaufenden Clave, welche unseren Grundpuls gibt und die Band zusammenhält.
Die Clave sind eigentlich zwei Holzstöcke, welche aneinander geschlagen werden – sie ist aber auch der Begriff des Grundpulses eines Stückes. In diesem Fall Kurz, Kurz, Lang (Viertel, Viertel, Halbenote)

African Swing
In dieser Musik wird sehr schnell klar woher der Swing der amerikansichen Jazz Musik eigentlich her rührt.
Während wir bei Amponsah einen eher versteckteren 16tel Swing fühlen, so werden wir im nächsten Stück ein noch intensiveres ternäres Gefühl spüren. Im Grunde handelt es sich bei Opuhim Wuara der Gruppe Kumasi Trio um ein Stück im 12/8 Takt. Durch den intensiven wechsel zwischen dem Lang-Kurz und dem Kurz-Lang Gefühl und dem Einsatz von Überbindung, ensteht hier ein sehr interessantes rhythmisches Gefühl, welches das tiefverwurzelte Spiel von ternären Rhytmen (also das Gefühl oder das Denken einer 3er Rhythmik) von Afrika wiederspiegelt und welches wir bis heute in Blues, Jazz, Soul und RnB Musik lieben.

Checkbox
- Palmwine Musik aus West-Afrika ist durchzogen von ternärer Rhythmik (12/8 Feel auf immer kleineren rhytmischen Ebenen)
- Der Einsatz von Terz und Sextintervallen spielt eine große Rolle
- An der Gitarre wird meist Daumen und Zeigefinger für die Pickinghand benutzt – dadurch lassen sich weitere Intervalle spielen und ein intensives Bassspiel einbauen, welches komplementär mit der synkopierten Melodie der Fingerstimme verläuft – wie z.B. beim berühmten Travis oder Chet Atkins Picking aus der Country Musik
- Gespielt wird auf Western oder Konzertgitarren. Offene Tonarten wie C-Dur sind beliebt und werden mit dem Kapodaster ggf. angepasst
Karibische und kubanische Einflüsse
In Mami Wata hört man, wie ich finde, sehr deutlich die Latein-Amerikanischen und karibischen Einflüsse der Palmwine Musik. Eine klare Clave und ein gerade Rhythmus, welcher sich eher loslöst vom afrikanischen Swing des 12/8 Feelings. Ein Stück wie es in einer ähnlich Form auch in der Süd-Amerikanischen Musikwelt auftauchen könnte.
Mama Wati

Polyrhytmik im Extrem
Yaree Ye Ya von Koo Nimo beginnt eingängi und verständlich. Eine klare Clave beginnt, ein Gitarrenmuster setzt ein, welches die Akkorde G und Ab auspielt. Auf einmal ein Stop, eine Art Auftakt und für westliche Ohren ist kaum noch etwas nachvollziehbar. Auch nach vielmaligen Hören stosse ich auch schnell an meine Grenzen des musikalisch Nachvollziehbarem. Es wirkt als würden die einzelnen Stimmen in extremer versetzter Polythmik zueinander spielen. Dennoch setzt Koo Nimo völlig selbstverständlich als wäre nichts gewesen auf die 1+ der Clave wieder ein mit seinen beginnenden Lyrics. Es ist für mich bewundernswert und noch immer ein absolutes Fragezeichen, wie man in dieser freien Form es schafft mit einem durchlaufenden Clave-Pattern umzugehen. Im folgenden mein Versuch mit einem Notationsausschnitt diesem Stück einigermaßen gerecht zu werden.
Yaree Ye Ya

